Knapp fünf Monate in Portugal – die Ereignisse überschlagen sich!

Zuerst einmal möchte ich mich entschuldigen, dass ich schon seit 4 Monaten nichts mehr geschrieben habe. Ich hatte etwas viel um die Ohren, aber das werdet ihr gleich merken 🙂

In den ersten Monaten hat es nicht besonders viele „wirklich wichtige“ Ereignisse gegeben, deshalb werde ich die überspringen und direkt zum 2. November, dem Tag meiner ersten Reise vorspulen.

Nach der Schule sind meine Gastschwester Bárbara und ich gleich in den Bus gestiegen, um nach Praia da Rocha in der wunderschönen Algarve zu fahren, wo meine Gastgroßeltern ein Haus haben.

Und nein, ihr habt euch nicht verlesen, wir haben die rund 300 Kilometer in einem hochmodernen Bus mit W-Lan-Verbindung hinter uns gebracht. Denn hier in Portugal ist es so, dass die meisten Zugverbindungen extrem veraltet und somit langsam oder sogar unpassierbar sind. Deshalb setzen die Portugiesen auf den Bus als Hauptreisetransportmittel und modernisieren das Netz und die Busse ständig.

Nach etwa 3 Stunden sind wir dann auch im Süden Portugals angekommen. Ich habe meine Gastgroßeltern kennen gelernt und wir haben uns sofort super verstanden. Das Wetter war an diesem Wochenende, das ich dort verbracht habe, leider nicht so gut, aber ich habe, trotz des Regens, sehr viel gesehen, tolle Fotos gemacht und sogar einen Glücksklee gefunden. Außerdem hat meine Gastgroßmutter mir versichert, dass ich jederzeit willkommen sei 🙂

Am 12. November gab es das nächste große Ereignis: „As Listas“.

So nennt sich hier der Wahlkampf in der Woche der Schulsprecherwahl. Die Schule ist in „Parteien“ („listas“) aufgeteilt und es funktioniert wie bei den „echten“ Wahlen in Österreich . 4 Tage lang wird in jeder Pause der Schulhof zur Disco. Mit Musik, Süßigkeiten und Wahlgeschenken kämpft jede der „Parteien“ um jede einzelne Stimme. Diese Art der Schulsprecherwahl kennenzulernen hat mir echt Spaß gemacht 🙂

Außerdem habe ich im November noch bei einer Segelregatta mit meinem Gastvater, meiner Gastschwester und einigen ihrer Freunden mitgemacht. Ich habe das zuvor noch nie in meinem Leben gemacht und es war echt ein cooles Erlebnis. Auch wenn es öfters laut wurde und wir nicht gewonnen haben, hat es mir echt gut gefallen 🙂

Zu Weihnachten habe ich endlich meine Einladung akzeptieren und in die Algarve zurückkehren können. Das Weihnachtsfest ist auch hier im katholischen Portugal das wichtigste im Jahr.

Ich bin schon am 21. angereist und habe erstmal das wunderschöne Wetter und den Strand, der 50 Meter vom Haus entfernt liegt, genossen und mich ausgeruht.

Am 23. Dezember haben wir dann das Weihnachtskonzert, bei dem mein Gastgroßvater mitsang, besucht.

Am Heiligen Abend sind  meine Gastschwester und ihr Vater angekommen. Es gab ein großes Familienabendessen mit dem typischen Weihnachtsgericht – Bacalhau mit Kartoffeln und Kohl – und vielem mehr. Danach – pünktlich um Mitternacht – ging es ans Geschenkeauspacken 🙂

Mir wurde die Weihnachtsmann-Mütze (denn hier gibt es kein Christkind) ausgesetzt und ich teilte die ersten Geschenke aus. Auch für mich war so einiges dabei – was ich mir nicht erwartet hätte. Vielleicht habe ich mich auch grade deshalb so über alles gefreut 😉

Am nächsten Tag war das Weihnachtsmittagessen dran – es gab einen riesigen gefüllten Truthahn und gegrillten Fisch.

Nach einigen Tagen voller Action – zum Beispiel bei der Wanderung auf einen „Berg“, die vorbei an Eukalyptus- und Olivenwäldern führte oder beim Orangenpflücken – reisten wir am 29. Dezember wieder zurück nach Lissabon.

Dort blieb ich aber nur einen Tag, denn zum Jahreswechsel ging es ab nach Porto, in den Norden. Dort hat es zwar sehr oft geregnet, aber wir waren in einem super Hotel im Zentrum der Stadt und konnten so zu Fuß alles mögliche ansehen. Mit einem 13-minütigen musik-synchronen Feuerwerk begann das neue Jahr. bis zum 2. Jänner blieben wir noch in der atemberaubenden Hafenstadt und dann ging es, nach einem Zwischenstopp in Aveiro – dem Venedig Portugals – wieder zurück nach Lissabon, denn am 3. Januar fing schon wieder der Unterricht an.

Doch die nächste „Reise“ stand schon bevor.

Ich verbrachte das Wochenende vom 11. – 13. Januar in Sintra. Ich habe echt total viel gesehen, auch wenn das Wetter voll schlecht war.

Seitdem bin ich hier in Lissabon 🙂

So, jetzt habe ich über alle Reisen gesprochen und kommen wir nun zu der Gefühlsachterbahn.

Ich hatte in den letzten knapp 5 Monaten ein stetiges Auf und Ab der Gefühle. Ich war oft knapp davor, einfach meine Koffer zu packen und nach Hause zurückzufliegen. Meine Gastmutter und ich hatten ein paar Meinungsverschiedenheiten und es ist einfach alles so anders hier: Kulturschock.

Meine Gastfamilie ist sehr streng religiös und es gibt zahlreiche Kirchenaktivitäten wie Gottesdienste, Bibelabende und auch Bibelcamps, an denen sie (und auch ich) teilnehmen. Das bin ich aus Österreich überhaupt nicht gewöhnt und so war es nactürlich etwas schwierig sich einzuleben, da eigentlich der ganze Tag – mit Beten, Bibel lesen und christlicher Musik sowie Alltagsdiskussionen, die immer darauf hinauslaufen, dass alles auf dieser Welt entweder das Werk Gottes oder des Satans ist – auf ihrem starken Glauben aufbaut.

Wir hatten zwei große Aussprachen – meine Gastmutter und ich -, von denen eine eher nicht so erfreulich endete  – ich wollte/sollte die Familie wechseln, doch das war genau zur Weihnachtszeit und die AFS-Mitarbeiter hatten natürlich Urlaub – und die andere dann darauf hinauslief, dass wir uns darauf einigten, alle dem eine zweite Chance zu geben. Ich glaube, das war eine gute Entscheidung, denn es ist seitdem viel besser geworden. Doch trotzdem war ich auf dem AFS-W-Kurven-Modell noch immer auf dem Weg abwärts, denn ich hatte immer wieder Tage, in denen ich einfach meine Familie und meine Freunde und auch oft kleine Sachen sehr vermisst habe.

Man weiß erst, wie wichtig einem etwas oder jemand ist, wenn man ihn/es nicht mehr hat.

Doch der Aufwärtstrend setzte letzte Woche ganz plötzlich ein. In meine Klasse kam ein neuer Austauschschüler aus Argentinien und ich beschloss, mit ihm gleichzeitig noch einmal neu anzufangen. Seitdem gehen wir immer zusammen (und auch mit anderen Freunden) Mittagessen und ich habe gemerkt, was wohl der Hauptgrund dafür war, dass es mit oft so schlecht ging: meine Verschlossenheit.

Ich habe mich seither den Leuten aus meiner Klasse, mit denen ich mich sehr gut verstehe immer mehr geöffnet – und siehe da, wir sind jetzt schon gute Freunde und machen auch außerhalb der Schule öfters etwas zusammen ( z.B. Bowlen, Essen gehen,  Eislaufen,…).

Und jetzt wo das Wetter auch bald mal besser werden soll, steht dem Genießen meines Auslandsabenteuers in diesem wunderschönen Land Portugal und der tollen Stadt Lissabon – gemeinsam mit meinen neuen Freunden – nichts mehr im Wege 🙂

Bis bald,

euer Benjamin