Winterferien

Oh mein Gott. Ich habe ewig nicht geschrieben o.o Es ist so viel passiert! Aber  ich habe kaum Zeit, Beiträge zu schreiben… Als japanische/r High School Schüler/in ist man ziemlich beschäftigt, das könnt ihr mir glauben!

Schulalltag

In meiner Schule habe ich täglich sieben Stunden Unterricht, beginnend um 8:30 Uhr, und anschließend haben die meisten Schüler/innen Klub – bis spätestens 18:30. Es gibt wirklich viele Klubs: jede Menge Sportarten wie Fußball, Rugby, Basketball, Schwimmen, Badminton, Kendo (Schwertkampf), Softball usw., aber auch Englisch, Teezeremonie, Band oder Kunst.

Ich bin dem Softtennisclub beigetreten, weil zwei meiner besten Freundinnen Mitglieder sind und ich auch die restlichen Mädchen total mag 🙂 Falls dies das erste Mal sein sollte, dass ihr das Wort „Softtennis“ hört, es ist einfach Tennis mit weicheren Bällen. Ich bin mir nicht sicher, ob es das außerhalb von Japan ebenfalls gibt^^ Seit letzter Woche gehe ich allerdings nur mehr jeden zweiten Tag hin, drei Tage in der Woche probiere ich jetzt mal den Artclub aus (:

Ich bin ehrlich gesagt ziemlich froh, dass der Softtennisclub so „locker“ ist. Samstags findet an meiner Schule kein Unterricht statt, Klub haben wir aber – vier Stunden lang. Viele andere Sportclubs haben auch sonntags Klub, außerdem gelegentlich vor der Schule. Meine Freundin Ryô-chan (zur Erinnerung: -chan ist ein Namensanhängsel), die im Tanzklub ist, hatte in den Winterferien auch mal sieben Stunden lang Klub, inklusive einer halben Stunde Mittagspause. Sieben Stunden. Das ist länger, als ich in Österreich an einem Tag ohne Nachmittagsunterricht Unterricht habe. Und diese ganze Zeit tanzend verbringen? Oh mein Gott. Ehrlich gesagt finde ich das schon ziemlich übertrieben o.o Ich zweifle nicht an Lars‘ Worten (Lars ist ein deutscher Austauschschüler an meiner Schule, der bereits seit März hier ist), wenn er sagt, im Sommer hätte es im Fernsehen Berichte gegeben, dass Schüler wegen der Hitze während des Klubs gestorben seien. Das ist eben auch Japan. Eine der Seiten, die mir gar nicht gefallen.

Das gibt es wirklich nur in Japan …

Aber gut, lassen wir das lieber. Generell mag ich den Softtennisclub sehr, auch wenn ich mit Abstand die Schlechteste bin^^ Manchmal ist das schon ziemlich frustrierend ._. Die Kälte ist allerdings wirklich ein Problem für mich. Ich trage derzeit eine Jogginghose, ein ärmelloses T-Shirt, ein langes Sportshirt, das warm halten soll, zwei kurzärmelige Sportshirts, einen Pullover und eine Sportjacke. Trotzdem friere ich manchmal. Meine Finger waren nach dem Klub mehr als ein paar Mal so kalt, dass ich mir kaum die Schuhe binden oder den Hosenknopf zumachen konnte o.o

Mittlerweile nehme ich mir immer ein Kairo mit, das ist ein rechteckiger, dünner Handwärmer. Ich habe nicht ganz verstanden, was sich in dem Beutel befindet, Anna meinte, es sei Eisen, aber auf jeden Fall reagiert der Inhalt mit Sauerstoff und wird deshalb warm, wenn man das Kairo aus der Verpackung nimmt und schüttelt. Das hilft wirklich, denn auch wenn es hier in Ôsaka kaum unter null Grad bekommt, ist das doch echt kalt, wenn man draußen Tennis spielt.

Kampf gegen die Kälte

Wobei ich in Japan ohnehin fast den ganzen Tag friere. Wenn ich morgens aufstehe und mich umziehe, ist mir kalt, wenn ich frühstücke, ist mir kalt, wenn ich in die Schule gehe, ist mir kalt, wenn ich in der Schule bin, ist mir ebenfalls kalt, während dem Klub ist mir auch total kalt, wenn ich nachhause gehe immer noch, und zuhause kann ich mir dann endlich meine eigenes kleines Heizgerät einschalten, mich auftauen und nach dem Abendessen im stets über 40 Grad warmen Badewasser entspannen^^

Meine Gastfamilie hat selbst im Bad Technik: Wenn man will, wird die Temperatur des Badewassers konstant gehalten. In dem Raum, in dem sich Duschkopf und Badewanne befinden, sowie in der Küche ist zur Bedienung ein kleines Kästchen an der Wand installiert. Ich kann nicht lesen, was darauf steht, aber gelegentlich teilt es einem mit Frauenstimme z.B. mit, dass das Badewasser die gewünschte Temperatur erreicht hat. Als ich jene Stimme zum ersten Mal gehört habe, saß ich gerade auf dem kleinen Plastikocker im Bad und habe mich geduscht. Tja, und da fing hinter mir plötzlich eine Frauenstimme in einer mir unverständlichen Sprache zu reden an. Ich wäre vor Schreck fast an die Decke gesprungen.

So, aber warum ist es denn jetzt so kalt? Das liegt einfach daran, dass japanische Häuser grundsätzlich kaum wärmegedämmt zu sein scheinen und offenbar ziemlich schlecht beheizt sind. Zentralheizung? Haha. Guter Witz. Bei meiner Gastfamilie hat jeder kleine Heizgeräte im Zimmer, in der Küche bzw. dem Esszimmer und dem Wohnzimmer (das ist eigentlich alles ein Raum) gibt es ebenfalls ein Heizgerät. Daheim ist mir auch nicht kalt, nur, wenn ich morgens aufstehe, weil mein Zimmer in der Nacht so abkühlt. Glaubt mir, es erleichtert das Aufstehen nicht unbedingt, wenn man sich in der Kälte umziehen muss, während es unter der Decke vergleichsweise so warm ist wie in einer Sauna.

Aber naja. In der Schule ist es viel schlimmer. Da zittere ich meistens wirklich total. Spätestens seit hier in Japan der Winter Einzug gehalten hat, weiß ich, dass „am ganzen Leib zittern“ nicht nur eine Phrase ist. Und das, obwohl ich mittlerweile ein ärmelloses und ein langärmeliges T-Shirt und zwei Pullover trage. Besonders kalt ist mir, wenn ich in der Bibliothek bin, um allein zu lernen (ich habe ja einen eigenen Stundenplan und verbringe wöchentlich zehn Stunden in der Bibliothek). Oder gar in dem Lernzimmer neben der Bibliothek, wenn in der Bibliothek Unterricht oder eine Versammlung der Lehrer/innen stattfindet. Die Bibliothek ist ziemlich groß, wird zumeist aber nur von einer einzigen Klimaanlage beheizt. Ich setze mich immer an einen Platz schräg darunter, aber es hilft nicht viel. Das Lernzimmer nebenan wird gar nicht beheizt. Yeah. Nordpol lässt grüßen.

Die Klassenzimmer werden ebenfalls von den Klimaanlagen beheizt, und da sich darin bis zu 40 Schüler/innen befinden, lässt es sich auch ganz gut aushalten. Dennoch haben viele japanische Schülerinnen im Winter eine kleine Decke in der Schule, die sie sich um die Beine wickeln, besonders die, die Schuluniformen tragen. Meine Schule hat keine Uniform, aber viele Mädchen tragen trotzdem Fake-Uniformen. Tja, und mit relativ kurzem Rock und Strümpfen, die etwa bis unters Knie reichen, stelle ich es mir im Winter auch ziemlich kalt vor.

Falls ihr jetzt denkt, ich sei einfach nur empfindlich und eine Heulsuse, möchte ich euch noch etwas erzählen: Seit vorletzter Woche konnte ich schon so einige Male vor dem Spiegel beim Händewaschen in der Toilette, im Gang und in der Sporthalle meinen Atem sehen. Meinen Atem. Ohne Witz. Klar, nur ein bisschen, aber ehrlich gesagt ist mir da jedes noch so kleine bisschen zu viel. Wenn ihr das nächste Mal draußen seid und eurem Atem sehen könnt, zieht doch mal eure Jacke und Handschuhe aus, bewegt euch nicht und stellt euch vor, so einen ganzen Schultag zu verbringen. Inklusive Klub. Und das nicht nur einmal, sondern jede Woche fünf Tage lang plus vier Stunden Klub am Samstag. Dann reden wir weiter.

Ohje, ich hoffe, ihr habt jetzt kein allzu schlechtes Bild von Japan im Winter bekommen. Mir ist zwar oft wirklich eiskalt, das war nicht gelogen, aber wie gesagt, in den normalen Klassenzimmern lässt es sich normalerweise gut aushalten. Nur bin ich da eben nicht so oft. Wie es an anderen Schulen aussieht, kann ich außerdem gar nicht sagen. Laut meiner Gastmutter sind Privatschulen stets gut klimatisiert, aber meine Schule hat ihr zufolge wenig Geld. Im Vergleich zu meiner österreichischen Schule ist meine japanische auch tatsächlich ein Kühlschrank, aber mit jeder Menge Kleidung und dem Gedanken, dass man sich an fast alles gewöhnen kann, geht das schon irgendwie 😉

Es passiert viel …

Ach ja, ich hätte wirklich viel zu erzählen. Meine nächsten Beiträge werden wohl ziemlich in der Zeit springen… Jetzt werde ich euch aber erst einmal von meinen Winterferien berichten, damit es zeitlich zumindest noch ein bisschen passt (;

Die Winterferien (Weihnachtsferien kann ich sie ja nicht nennen) begannen für meine Schule am 25. Dezember und dauerten bis 8. Januar. Am 23. Dezember war schulfrei aufgrund des Geburtstages des Kaisers. Tja, an Heiligabend mussten wir trotzdem zur Schule. Die zwei Stunden Unterricht mussten natürlich noch sein… haha 😀 Danach war eine Stunde lang eine Versammlung in der (eiskalten) Sporthalle, die letzte Stunde war dann Schule putzen angesagt – das machen in Japan die Schüler/innen normalerweise ja selbst. Ich musste mit einigen anderen aus meiner Klasse das seminar house putzen, mit ein paar meiner Freundinnen haben wir also in dessen oberem Stockwerk eines der drei traditionellen japanischen Zimmer mit tatami (Reisstrohmatten) gereinigt. Warum eine Schule über traditionelle japanische Zimmer verfügt? Das habe ich mich auch gefragt. Und nicht nur mich, sondern auch meine Freundinnen. Nach dem, was ich aus ihrem Englisch verstehen konnte, dient es angehenden Lehrer/innen zum Lernen. Ich fürchte allerdings, dass das nicht stimmt 😀 Egal, meine Schule hat tatami-Zimmer. Finde ich ziemlich cool 🙂

Meine Schule ist generell etwas eigen. Nicht etwa nur, weil wir keine Schuluniformen haben und samstags kein Unterricht stattfindet oder weil die Jungen sich mangels Umkleideräumen für den Sport draußen auf den Tribünen des Sportplatzes umziehen müssen, auch weil wir im Gegensatz zu so ziemlich allen anderen Schulen nach der letzten Testwoche vor den Winterferien nicht nur vormittags Unterricht hatten, sondern wie gewohnt sieben Stunden. Oder weil meine Schule über Schul-iPads verfügt und in jeder Klasse ein Fernseher für den Gebrauch im Unterricht hängt (die Lehrer können z.B. ihr Handy daran anschließen), es bei starkem Regen aber an immer denselben Stellen von der Decke tropft. In solchen Fällen werden Metalleimer und Plastiktonnen darunter gestellt, hat es aber beispielsweise am Wochenende geregnet, wenn niemand etwas zum Wasserauffangen hinstellt, bahnt sich manchmal ein hübsches Rinnsal seinen Weg die Treppe zu meiner Klasse hinab.

Weihnachten in Japan

Okay, ich weiche vom Thema ab: Zurück zu Heiligabend. Am Abend davor habe ich erfahren, dass ich nach der Schule ganz alleine daheim sein würde, darum habe ich spontan noch ein Treffen mit Ima und Sofia, einer indonesischen und einer italienischen Austauschschülerin, organisiert.

Unser Christbaum ( =Zur Weihnachtszeit hatte ich, entgegen meiner Erwartung, auch kaum bis gar kein Heimweh, nur wenn in einem Supermarkt mal wieder Lieder wie „Driving home for Christmas“ gespielt wurden, wurde ich ein wenig wehmütig. Meiner Gastfamilie war Weihnachten aber ziemlich egal, meine Mutter hat zwar mit mir einen kleinen Plastikchristbaum gekauft, der leuchtet und den wir ein wenig geschmückt haben (der ist echt süß), und ich habe mit ihr und meiner Schwester (und der Guglhupfform, die meine österreichische Mutter mir geschickt hatte, da wir hier einfach keine finden konnten) Marmorkuchen gebacken (in Japan gibt es Weihnachtskuchen statt Weihnachtskeksen), aber ansonsten schien sie Weihnachten nicht zu interessieren^^

Kokin-chan

Kokin-chan

Weihnachten ist in Japan, wo kleine Kinder wie in den USA an Santa Claus glauben, ja am 25. Dezember, darum war es für die anderen natürlich nichts Besonderes, am Weihnachtsabend zur Schule zu gehen. Für mich war es eine einmalige Erfahrung ( = zu meiner Überraschung haben zwei meiner Freundinnen mir als Revanche für mein Weihnachtsgeschenk an sie, das ich ihnen schon früher gegeben hatte (von jenem Tag erzähle ich euch ein anderes Mal), etwas geschenkt, worüber ich mich wirklich extrem gefreut habe. Da ich in Japan bin, habe ich ganz einfach nicht damit gerechnet. Die beiden haben sich besprochen und mir je ein kleines Dokin-chan und ein Kokin-chan-Plüschtier geschenkt.

Dokin-chan und Kuschelsocken

Dokin-chan und Kuschelsocken

Das sind zwei Charaktere aus Anpanman, einem äußerst bekannten Anime in Japan. (Falls ihr es nicht wisst: Anime sind, einfach gesagt, Zeichentrickserien zu Manga. Manga wiederum sind schwarz-weiß-Comics, ursprünglich aus Japan. In Österreich bekannte Anime wären z.B. Pokemon oder Yu-Gi-Oh!). Von Ryô-chan, die ich wirklich total gern hab, habe ich außerdem Kuschelsocken bekommen – da wir hier in Japan sind, haben diese Ohren und werden von einem lächelnden Affengesicht geziert. Also, ich glaube jedenfalls, dass es ein Affe ist 😀 Es könnte auch ein anderes Tier sein^^ Was denkt ihr, dass es ist? (:

Außerdem haben mir beide eine Karte geschrieben/gebastelt: Ryô-chan meinte, sie hoffe, dass mich ihre Geschenke glücklich machen werden, weil ich ja erzählt habe, dass Weihnachten in Japan viel kleiner sei als in Österreich, dass mich die Socken in diesem kalten Winter warm halten sollen und dass sie mich liebt (für Japaner ist „love“ und „like“ so ziemlich dasselbe). Wakako-chan schrieb Letzteres ebenfalls, genauso wie „Es ist gut, dass Eva nach Japan gekommen ist“. Darüber habe ich mich wirklich gefreut, denn ich fühle mich hier oft ziemlich fehl am Platz, umso mehr, seit ich dank meines neuen Stundeplans nur noch wenige Stunden mit meiner Klasse gemeinsam habe. Ich war wirklich unglaublich glücklich über diese beiden Geschenke 🙂 Aufmachen konnte ich sie allerdings erst etwa um Mitternacht, denn sie baten mich, sie erst zuhause aufzumachen – und wie gesagt, nach der Schule bin ich gleich mit dem Rad zum Bahnhof geeilt, um es noch rechtzeitig zu meinem Treffen mit Ima und Sofia zu schaffen.

Wir sind ein wenig durch Shinsaibashi gebummelt – Sofia liebt Shinsaibashi, vor allem einen Teil davon, in dem sich einige ziemlich verrückte Gestalten tummeln^^ Sofia ist nämlich ebenfalls ein ziemlich verrücktes Mädchen (wer sonst findet Würmer niedlich?) und liebt die Läden, die Kleidung im Stil von Lolita, Punk, Visual Kei usw. und all deren Varianten verkaufen.

Sofia beim Karaoke (entschuldigt die schlechte Qualität)

Sofia beim Karaoke (entschuldigt die schlechte Qualität)

An Heiligabend haben wir allerdings nichts gekauft, dafür war ich zum ersten Mal in meinem Leben Karaoke. Ich kann nicht singen und habe mich damit auch eher zurückgehalten (okay, sehr zurückgehalten), aber es war trotzdem ein Riesenspaß. Ich liebe Ima und Sofia, die beiden sind so verrückt und fröhlich, mit ihnen kann man fast nicht traurig sein! (: Sie haben dieses kleine Zimmerchen mit der Couch an der Wand, dem Fernsehbildschirm an der gegenüberliegenden, einem Tisch, zwei Mikrofonen und einer Art Tablet, mit dem man sich die gewünschten Lieder aussuchen oder nach Wunsch Essen und Getränke bestellen kann, ziemlich … nun, sagen wir mal gerockt 😀 Ich habe mich gelegentlich in die Ecke gestellt und sie gefilmt. Die Qualität ist wegen meines Handys zwar schlecht, aber diese Erinnerung wird mich noch lange zum Lachen bringen, da bin ich mir sicher.

meine malaysische Freundin Kawei mit ihrem Okonomiyaki (:Anschließend sind wir noch zu mir nachhause und haben mit meiner Gastmutter okonomiyaki gegessen. Gemacht auf einem Tischgrill, oder wie man das auch nennen kann. Was das ist, okonomiyaki? Puh, schwer zu beschreiben. Es wird oft als „japanischer Pfannkuchen“ übersetzt, aber es ist weder süß noch sieht es wie Pfannkuchen aus. Naja, vielleicht, wenn man sich ein  dickes Pfannkuchen-Sandwich mit Fleisch, Gemüse oder anderem als Belag macht und das Ganze nach beidseitigem Anbraten mit Mayonnaise, einer japanischen Soße und getrocknetem und hauchdünn geraspeltem Fisch sowie Nori (Seetang) toppt. Ja, dann würde es Okonomiyaki ähneln. Zumindest ein bisschen ;D Klingt nicht sehr appetitlich? Mag sein. Mir schmeckt es aber total 😀

So, das war also mein Weihnachten. Okay, als Ima und Sofia weg waren, habe ich noch mit meiner österreichischen Familie telefoniert und die Geschenke ausgepackt, die sie mir mit meinem Weihnachtspaket geschickt hatten (über die ich mich im Übrigen sehr gefreut habe 🙂 ). Ansonsten ein Tag wie viele andere. Weihnachten ist in einem nicht-christlichen Land eben nicht so wichtig. Oh, naja, das stimmt eigentlich nicht – wenn man wie ich High School Schüler/in ist und längst nicht mehr an Santa Claus glaubt, so ist Weihnachten der Tag, den man mit seinem Freund/seiner Freundin verbringt. Sofern man denn eine/n hat, haha 😀

Auch die Läden nutzen Weihnachten natürlich aus und dekorierend entsprechend und verkaufen mehr oder weniger weihnachtliche Dinge (wusstet ihr übrigens, dass es Weihnachts-Haribo gibt? Also, ich habe das in Japan zum ersten Mal in meinem Leben gesehen o.o) und Straßen und Häuser sind mit Weihnachtsbeleuchtung geschmückt. Wobei ich erst heute wieder an Bäumen vorbeigegangen bin, die immer noch mit Lichterketten geschmückt sind – laut meiner Gastmutter sind sie das das ganze Jahr über. Ob das wohl stimmt?

Tempelbesuch!

Mein Zweig mit dem Glücksbringer für Glücklichsein

Mein Zweig mit dem Glücksbringer für Glücklichsein

Dafür aber Neujahr! Das ist eines der wichtigsten Feste in Japan, wenn nicht sogar das wichtigste, und ein Familienfest. Am 30. Dezember hat Sofia (die italienische Austauschschülerin) bei mir übernachtet, um am 31. ist sie mit mir und meinen Gasteltern zu einem Tempel in Minoo gegangen, dem Katsuôji.

Katsuôji

Katsuôji

Es war echt so schön! Am Eingang bekam jeder einen langen, grünen Zweig, und an zahlreichen Ständen konnte man sozusagen Glücksbringer erstehen, die man an den Ast bindet und die zum Beispiel Reichtum oder Glücklichsein versprechen –  Ersteres kaufte mein Gastvater (scherzhaft) für seine Frau, Letzteres für Sofia und mich 🙂 Ach ja, wusstet ihr eigentlich, dass 2014 das Jahr des Pferdes ist? Nein? Na, jetzt wisst ihr’s ;D

Reichtumglücksbringer

Reichtumsglücksbringer

In Japan gibt es die Tradition, am Silversterabend in Tempeln eine Art Gong 108 Mal zu schlagen. Das macht entweder eine einzelner Person oder jede Menge verschiedene (aber natürlich nicht einfach irgendjemand). Warum 108 Mal? Das hat mit dem Buddhismus zu tun – soweit ich verstanden habe, gibt es demnach108 menschliche Wünsche, von denen man sich lösen soll/muss – das sollen jene 108 Gongschläge symbolisieren. Aber bitte legt das nicht auf die Goldwaage^^

Gong bzw. Glocke

Gong bzw. Glocke

Als mein Vater mir von jener Tradition erzählte, stellte ich mir einen Mann vor, der kurz vor Mitternacht 108 Mal auf einen übergroßen Gong oder eine übergroße Glocke (ich bin mir nicht ganz sicher, was es eigentlich ist) einschlägt. Tatsächlich begleiteten uns die Schläge aber ständig, man hörte sie vielleicht einmal in der Minute oder alle paar Minuten, aber auf keinen Fall schnell hintereinander. Gefällt mir auch besser so 🙂

 

nochmals der Glücklichseinglücksbringer (:

Der Glücklichseinglücksbringer (:

Lern-omamori^^

Lern-omamori^^

Wir haben auch omamori gekauft, das sind kleine Stoffbeutel, die man immer bei sich haben sollte (also z.B. an die Tasche bindet) und die Glück bringen. Dabei gibt es verschiedenste Arten von omamori: Für Gesundheit, sicheres Autofahren, Lernen, Glücklichsein, Kindersegen und vieles mehr. Diese Glücksbringer darf man nicht öffnen und sie halten nur maximal ein Jahr, an Neujahr verlieren sie ihre Wirksamkeit und sollen dann laut Internet in einem Tempel verbrannt werden. Ob das mit dem Verbrennen stimmt, weiß ich nicht. Aber ich mag omamori, ich finde die Idee nett und sie sehen außerdem hübsch aus^^

ema

ema

Sofia und ich haben auch ema geschrieben: Kleine, einseitig bedruckte Holztafeln, auf deren Rückseite man einen Wunsch schreibt und das Täfelchen dann an einer der dafür vorgesehenen Stellen aufhängt.

Hier hängt man die ema auf

Hier hängt man die ema auf

Da ein Gott alle Sprachen spricht, meinte mein Vater, Sofia und ich sollten unsere ema in Italienisch und Deutsch schreiben, was wir auch getan haben 🙂 Ich hoffe mal, mein Wunsch wird erhört werden 😉

in diesen Figuren befanden sich die omikuji

in diesen Figuren befanden sich die omikuji

Ach, ich hab die „Wahrsagerei“ vergessen! omikuji gibt es in Japan an so ziemlich jedem Tempel. Man schüttelt einen Holzstab aus einer Kiste mit einem runden Loch, durch das nur ein einziger Stab passt, und je nach Zahl, die auf dem Stab steht, bekommt man dann einen Zettel mit Wahrsagungen. Im Katsuôji allerdings suchte man sich eine kleine Holzfigur aus der großen Auswahl aus und zog den Zettel aus deren Inneren heraus. Mein Leben wird demnach schlecht sein – juhu.

Tempel

Tempel

Ganz in japanischer Tradition habe ich den Zettel aber zusammengefaltet und irgendwo am Tempelgelände festgebunden – somit wird (hoffentlich) auch das mir vorausgesagte Schlechte im Tempel zurückbleiben (: Ihr seht also, japanisches Silvester ist ganz anders als österreichisches. Wer keinen Tempel besucht, sieht sich heutzutage normalerweise eine bestimmte Musikfernsehsendung an, genau wie haufenweise andere Japaner auch. Nur eines gibt es in Japan an Silvester nicht: Feuerwerk. (wenn es geht neben diesem absatz: die Figuren, in denen die omikuji waren)

Achja, Silvester im Katsuôji war wirklich schön und echt beeindruckend! Es ist natürlich schwer, nachts zu fotografieren, und in Wahrheit sah alles schöner aus und hatte kräftigere Farben, aber hier einige der Fotos, die ich dort gemacht habe:

Eine neue Oma!

Wie bereits erwähnt, Neujahr ist in Japan ein Familienfest. So habe ich erstmals meine Gastgroßmutter getroffen, die ein paar Tage bei uns übernachtet hat. Sie ist wirklich noch sehr gesund und eine total fröhliche und freundliche Person, und auch wenn sie vielleicht zehn Wörter Englisch spricht und wir folglich nicht wirklich miteinander reden konnten, habe ich sie sofort ins Herz geschlossen. Ich habe jetzt definitiv eine dritte Oma (;

Auch die Mutter meiner Gastmutter haben wir im Altenheim (oder zumindest etwas Ähnlichem) besucht. Sie kann nicht mehr allein gehen und ist auch mental nicht mehr hundertprozentig gesund, aber auch sie wirkte sehr freundlich, und das omamori für Gesundheit, das ich im Katsuôji gekauft und ihr geschenkt habe, hat sie sich gleich ans Bett gebunden. Das hat mich sehr gefreut (: Ich hoffe, das omamori hält sein Versprechen und beschützt sie.

Von ihr und meinen Eltern habe ich außerdem je einen kleinen Umschlag bekommen – ebenfalls eine japanische Tradition, genannt otoshidama. Was sich darin befand? Geld. Ja, an Neujahr bekommen japanische Kinder Geld geschenkt. Ich habe mich irgendwie geehrt gefühlt, dass auch ich otoshidama erhalten habe 🙂

Gelegenheit, mein otoshidama auszugeben, hatte auch gleich am zweiten Januar, denn da bin ich mit meiner Mutter und meinen Geschwistern einkaufen gegangen – wie halb Japan das zu Neujahr macht. Denn zu Jahresbeginn haben nicht nur viele Japaner endlich einmal ein paar Tage frei, um bei ihrer Familie zu sein, überall werden die Preise reduziert. Ich war noch nie in einem so vollen Einkaufszentrum, das könnt ihr mir glauben – bei dem, was meine Familie gesagt hatte, hätte ich es mir aber weitaus schlimmer vorgestellt. Wir mussten uns zwar für den Aufzug und die Rolltreppen anstellen, aber als wir erst mal in einem der dreizehn(!) Stockwerke waren, war es nicht schlimm (: Da bleibt schließlich genug Platz für alle.

Zu Neujahr haben wir außerdem o-sechi-ryôri gegessen – traditionelles japanisches Neujahrsessen, das in schönen Boxen serviert wird und bei dem alles eine Bedeutung hat. So können die kleinen, dünnen Fischchen, die man gerade isst, für Kindersegen stehen und durch die Löcher in diesem seltsamen Gemüse, dessen Namen ich nicht kenne, kann man seine Zukunft sehen. Es ist aber nicht so, dass alle Japaner/innen diese Bedeutungen allzu ernst nehmen würden: Wer essen will, der isst. 😉

Ganz besondere Studentenjobs

Meine erste NengajôAch, ich habe ja die nengajô, die Neujahrskarten, vergessen! Davon sollte man anscheinend 100 Stück schreiben… Angeblich gibt es auch nicht wenige Japaner, die das tatsächlich machen. Man kann fertige Karten kaufen, weiße Karten mit Stempeln, Aufklebern und Ähnlichem verzieren oder mit diversen Computerprogrammen mit Fotos eigene Karten gestalten. Ich habe mir Stempel etc. und weiße Karten gekauft, da ich die fertige Karten nicht verstanden habe und von den Computerprogrammen nichts wusste. Ich habe echt ewig für die Karten gebraucht… aber auch nicht viele geschrieben. Übrigens stellt die japanische Post angeblich extra wegen der nengajô jährlich Studenten ein, damit sie diese Unmengen an Post bewältigen können. Die werden nämlich alle pünktlich am 1. Januar ausgeliefert, auch wenn man sie schon viel früher in den Postkasten geworfen hat.

Noch eine Nengajô ( =Ab etwa Mitte Dezember dient übrigens einer der zwei Postschlitze japanischer Postkästen nur für nengajô – kein Wunder, bei so viele Karten! Am ersten und zweiten Januar erhielt meine Gastfamilie zwei dicke Stöße nengajô, fein säuberlich mit Gummiband zusammengehalten. Auch für mich waren ein paar dabei 🙂 Übrigens ist die Arbeit mit Neujahr keinesfalls getan: Sollte man eine Neujahrskarte von jemandem erhalten haben, dem man selbst keine geschickt hat, muss man diese selbstverständlich noch beantworten.

So, ich denke, ich muss jetzt wirklich aufhören 😀 Sollte tatsächlich jemand bis hierhin durchgehalten haben: Was hältst Du von dieser Art, Neujahr zu feiern? Würdest Du das auch gerne mal sehen? (:

Alles Liebe und bis bald,

Eva

7 Gedanken zu „Winterferien

    • Vielen Dank!! Das freut mich sehr, wenn Ihnen/dir mein Beitrag so gefällt!^^ Auch wenn ich nur vor mich hin schreibe (:
      Vielen Dank für das Kompliment<3
      Eva

  1. hey eva,

    es ist soooooo schön, wieder von dir und japan zu lesen 🙂 ich hab mich so dermaßen gefreut 🙂

    ich finde alles total interessant (ich würd ja gern dem klub teezeremonie beitreten 😉 ) und werde dir wohl eine längere antwort schreiben 😉

    aaaaalso. das mit der kälte verstehe ich total! auch wenn es hier in südafrika wohl eher das gegenteil ist… obwohl andere sagen, dass 30° ja nicht so viel sind…. versuch mal, da 8 stunden in einer schule ohne klimaanlage zu „lernen“… wollen wir nicht ein bisschen temperaturen austauschen? du kriegst 15° von mir, okay? 😀

    die weihnachtsgeschenke sind total lieb 🙂
    ich verstehe dich total, dass du dich über „es ist gut, dass eva nach japan gekommen ist“ freust! ich freue mich auch über jede noch so kleine bemerkung mit zuneigung 🙂
    und dass du dich fehl am platz fühlst… ich mich auch :/ man versteht die leute nicht, wenn sie untereinander reden, sie haben einen anderen humor und überhaupt andere gesprächsthemen (falls man sie versteht). obwohl viele auch echt nett sind, aber man wird doch als „anders“ angesehen… was mich v.a. am anfang verwirrt hat, ist, dass ich dauernd gefragt wurde, wie viele freunde ich habe. ist das so wichtig? o.O

    die glücksbringer erinnern mich an sorgenpüppchen 🙂 die sind echt auch „kawaii“ 🙂 (ha! das einzige japanische wort, das ich kann 😉 )
    die ganzen ausgeklügelten traditionen klingen auf jeden fall sehr interessant! ich wünsche dir auch, dass dein wunsch in erfüllung geht im jahr des pferdes 😉

    alles, alles liebe, genieße die zeit in japan, und denk dran: wärmere zeiten werden kommen 🙂
    susanne ♥

    • Susii^.^
      Ooh das freut mich *-*

      Ja, ich habe auch bezüglich Teezeremonieklub überlegt, aber drei Klubs kann ich ja nicht beitreten^^ Leider (;

      Haha 😀 Ach du meine Güte! Wie sieht’s mit Klimaanlagen aus? Und glaube mir, ich weiß, wie du dich fühlst, du kannst gar nicht glauben, wie heiß es war, als ich hier angekommen bin. Von mir soll es also lieber lange kalt blieiben, denn die Hitze hasse ich noch mehr ;D

      Ja, ich habe mich auch soo gefreut *-*
      Ja, da hast du absolut recht ):
      ? Wieso haben die dich denn gefragt, wie viele Freunde du hast? o.o

      Wow! Du kennst „kawaii“? 😀 Das ist eines der Lieblingswörter japanischer Mädchen xD Und soo ansteckend 😀 Am Anfang fand ich das manchmal noch seltsam und übertrieben, aber mittlerweile bin ich selbst total im kawaii-Fieber 😀
      Danke<3

      Haha^^ Ich hoffe, die heißen Zeiten lassen noch lange auf sich warten!
      Vielen Dank, ich wünsche dir auch eine wundervolle Zeit<3
      Eva

      • hihi, an deiner Schreibweise kennt man wirklich, dass du total im kawaii- Fieber bist 😉

        Also hattest du Hitze und Kälte? Na toll… :O
        Also Klimaanlagen gibt es hier eher selten 😉 Bei uns im Haus ist jetzt auch der Ventilator kaputt gegangen, da kann ich nur hoffen, dass es oft reget, und daraufhin abkühlt 😉

        Na ja, die Verwirrung wird hoffentlich noch besser.. :/
        Keine Ahnung! Das ist wohl eine Art sozialer Einschätzung…

        Haha ja, von einem Blogpost von dir und von einem Blog von einer Australierin, die in Japan lebt ( http://hellosandwich.blogspot.com/ ich steh ja total auf japanischen Papierkram- siehst du davon viel? Ich wäre ja im Himmel, haha 😉 )

        Puh, wie gesagt, das klingt echt anstrengend! Gibt es denn keine Temperaturen, die zwischen „ich verbrühe“ und „brrrrrrrr-hoch-zehn“ liegen? :/

        Susanne ♥♥

  2. Eva!!!
    Long Time No See! (好久不见!) Wie wir hier in China so schön sagen würden 🙂 Wenn du dann mal wieder einen Beitrag schreibst, ist er ja mal gaaaaaaanz schön lang 😀 Aber alles total interessant! Ich find’s interessant das ihr auch das Jahr das Pferdes habt – habt ihr denn dann auch einen Tierkreislauf von 12 Tieren, wie die Chinesen es haben?
    Bei uns ist es zwar jetzt nicht so kalt, jedoch ist es meistens draußen wärmer als in den Häusern!!!! Die meisten besitzen zwar Klimaanlagen nur ist man sich zu schade Geld dafür zu verschwenden die Wohnungen zu heizen uns somit sitzt man lieber mit 4 Jacken und 2 paar Hosen in der Wohnung uns schlafen tut man mit einer Wärmeflasche unter der Decke 😀 Ich kann für gewöhnlich meinem Atem in meinem Zimmer sehen !!!

    Ich freu mich auf jeden Fall auch schon wieder auf den Frühling 🙂 Ich hoff dir geht’s weiter hin gaaanz gut und du lässt BALD wieder von dir hören 😀 nicht erst wieder am Ende des Jahres 😀

    Die allerliebsten Grüße aus Nanjing,
    Catherine 😉

    • Hahaha 😀
      Ich weiß, aber ich verspreche, ich werde mich bemühen, jetzt öfter und dafür kürzer zu schreiben (;
      Ja, haben wir! Aber hier beginnen die Tierkreisläufe am 1. Jänner (: Bei euch ja jedes Jahr ein bisschen anders, oder?

      Wirklich? Oh mein Gott!! WIe hältst du das denn aus?? oo:

      Hahah xD Ich verspreche, dass es nicht so lange dauern wird ;D

      Danke! Ebenfalls die allerliebsten Grüße aus Toyonaka,
      Eva

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