Angekommen im „kalten Unbekannten“

Puno

Puno

Jetzt bin ich also in Puno. In einer Stadt, die am Titicacasee liegt, die Hauptstadt des Folklores ist, in der kaum ein Haus fertig gebaut oder verputzt ist. In einer Stadt, in der es mehr Taxis und „Combis“ (das sind Kleinbusse) als andere Autos gibt und in der es nicht üblich ist, sich anzuschnallen. In einer Stadt, in der ich mit der Höhe zu kämpfen hatte (das sollte man echt nicht unterschätzen) und in der es verdammt kalt ist, auch wenn die Sonne den ganzen Tag lang scheint. Und wenn es doch einmal ein Gewitter gibt, dann könnt ihr euch sicher vorstellen, wie bedrohlich das auf einer fast ebenen Fläche in viertausend Metern Höhe ist…

So, aber eigentlich wollte ich mit der Abreise anfangen, oder dem Kofferpacken. Jaja, das kann schon eine Herausforderung sein… Aber hey, ich habs geschafft! Keine Ahnung wie, aber es ist alles hineingegangen. Da ich noch einen Inlandsflug vor mir hatte, durfte der Koffer nur 20 Kg wiegen. Tja, am Flughafen wars dann plötzlich ein halbes Kilo zu viel. Bis nach Lima war das sowieso egal und beim Arrivalcamp habe ich dann erfahren, dass wir alle mit dem Bus weiterfahren würden. Mit dem Bus nach Puno? Das ist verdammt weit! Aber dazu später.

Arrivalcamp

Arrivalcamp

Arrivalcamp

Es war ziemlich cool am Arrivalcamp all die anderen Austauschschüler und Volontäre von überall zu treffen. Wir haben natürlich peruanisches Essen bekommen (prinzipiell immer: Kartoffeln, Reis und Fleisch, manchmal ist auch noch Gemüse oder so dabei) und die Leute von AFS haben uns generelle Sachen über Peru erzählt, damit wir die ersten Tage überleben. Außerdem war eine Frau da, die einen Vortrag über sexuellen Missbrauch gehalten hat, anscheinend ein ziemlich großes Thema in Peru. Das war mir so nicht bewusst. Natürlich ist es besser, aufgeklärt zu sein, aber danach konnte es natürlich niemand mehr erwarten seinen Gastvater endlich zu treffen… Und am Abend war eine peruanische Musikgruppe da, die uns Lieder beigebracht hat, was echt lustig war.

20 Stunden Busfahren

Juhu, wollte ich immer schon mal! Schlussendlich war es dann gar nicht sooo schlimm (ich fand den Bus sogar 100x bequemer als das Flugzeug) und ich war ja nicht alleine. Wir waren 4 Austauschschüler und eine Freiwillge von AFS, die mit uns gefahren ist. Außerdem können 20 Stunden eh schnell vergehen, wenn man über die Nacht fährt und schlafen, Filme anschauen und Musik hören und essen kann… Am Busbahnhof in Puno sind wir (da waren wir nur mehr zu zweit…) von unseren Gastfamilien abgeholt worden. Dann gab es noch ein kleines Problem mit den Koffern, die mussten wir nämlich wie beim Fliegen einchecken und hatten auch Tickets damit wir sie wiederbekommen. Blöderweise ist Markus mit denen schon vorher in Juliaca ausgestiegen… Wir haben es trotzdem irgendwie geschafft, die Busmenschen davon zu überzeugen, dass die Koffer unsere sind. Auf „Spanglisch“ zu diskutieren ist ziemlich herausfordernd…

Meine Gastfamilie

…ist echt voll lieb! Sie haben mir gleich das Haus gezeigt und auf Spanisch alles erklärt – dass ich quasi nichts verstanden habe, war egal. Zum Glück hat meine Gastschwester das Wichtigste übersetzt. Sie haben mich dann auch gleich zu einem Umzug von der Universität, wo meine Gasteltern arbeiten, mitgenommen. Das war echt cool, auch wenn viel zu viele Leute überall waren. Am ersten Tag fand ich die Kälte übrigens gar nicht so schlimm, immerhin hat ja die Sonne gescheint, aber meine Gastfamilie hat es einfach nicht akzeptiert, dass ich mit Socken und ohne Jacke herumlaufe. „Annita, chaqueta!“, ist wahrscheinlich, nein sicher, der Satz, den ich in den letzten Tagen am Öftesten zu hören bekommen habe. Mittlerweile verstehe ich, warum – es ist wirklich kalt hier!

Schule

Anders als in Österreich, ich meine WIRKLICH ANDERS. Wer würde in Österreich seine Lehrer mit einem Kuss auf die Wange begrüßen (so begrüßt man übrigens jeden, auch die Leute, die man nicht kennt)? Oder die Lehrer verarschen (ich meine, während sie dabei sind :-P)? Oder sich mitten im Unterricht woanders hinsetzen? Der Unterricht ist sowieso so eine Sache… Es ist durchgehend laut, es wird gequatscht (gern auch mit den Lehrern), gegessen, herumgegangen, was auch immer. Viel Stoff wird in einer Stunde nicht durchgenommen, wie auch? Die Lehrer brauchen alle eine laute Stimme und viel Schrei-Ausdauer. Und dann ist da natürlich die Schuluniform. Jede Schule hat eine eigene (meine ist dunkelrot) und daher kann man sofort erkennen, wer von welcher Schule ist. Die Leute sind übrigens uuurlieb! Ich wurde am ersten Tag schon auf Spanisch niedergequatscht, obwohl sie wussten, dass ich nichts verstehe 😀 Und mittlerweile können die Meisten schon ein paar deutsche Wörter… 😉

Wie geht/ging es euch so nach den ersten Tagen? Habt ihr euch schnell eingelebt?

Liebe Grüße, eure Anna (:

4 Gedanken zu „Angekommen im „kalten Unbekannten“

  1. Da bekommt man richtig Sehnsucht nach Peru 🙂 Das mit der Schule und dem ganzen Lärm hat mich am Anfang total überfordert, vor allem, wenn wir dann formación hatten und ich die Hymne noch nicht konnte! Aber mach das Beste draus … ich würde sofort mit dir tauschen wollen!
    In Puno war ich auch mal, da hab ich die besten Papas Fritas von ganz Peru gegessen! Und schweinekalt war es natürlich!

    Cajamarca 2006/07 <3

  2. es is ein bisschen gewöhnungsbedürftig ja…
    wir haben auch formación aber ich tue einfach so als könnt ich die hymne eh und dann passt das schon 😛
    oja die sind wirklich lecker!
    während ich hier schreib frieren mir fast die finger ab! ich glaube, die kälte ist eins der wenigen dinge, an die ich mich sicher nicht gewöhnen werde… liebe grüße 🙂

  3. Coole Sache! 🙂
    Mach viele Fotos, Peru ist ein wunderschönes Land!
    Ich wünsch dir Viel Spaß!

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