Die „Post-Austausch-Depression“

Wenn man so darüber nachdenkt, klingen 5 Monate nach einer wahnsinnig langen Zeit. Ich kann mich noch gut an die Tage vor Beginn meines Auslandssemesters in Russland erinnern, an all die Erwartungen, Ängste und die große Vorfreude. Fast ein Jahr fieberte ich dem 25.Jänner 2013 entgegen, der Austausch war Weiterlesen

Das Ende naht…

..ein letzter Schmatzer der Direktorin :P

..ein letzter Schmatzer der Direktorin 😛

Als ich heute morgen (28.06.2013) aufwachte, wäre ich am liebsten im Bett geblieben. Nun ist er also wirklich gekommen, mein letzter Tag in meiner zweiten Heimatstadt Klimowsk. In den letzten Tagen versuchte ich, einfach die Zeit noch zu genießen und so viel wie möglich zu erleben. Meine letzte Woche in Russland war zwar extrem aufregend, doch in Wirklichkeit macht das die Tatsache, dass es am Sonntag schon wieder nach Hause geht, nicht wett.

Zuerst einmal zur Woche. Begonnen hat diese für mich schon letzten Freitag, mit dem Abschlussball der Schulabgänger an meiner Schule. Eigentlich ist diese Feier kein Ball im österreichischen Sinne, aber sie ist mit unseren Maturabällen vergleichbar. Um 8 Uhr abends versammelten sich die Elftklässler in wunderschönen Weiterlesen

Der Familien-Marathon

In den letzten 10 Tagen erlebte ich so viel Familie, dass es vermutlich für die nächsten 3 Monate ausreicht. 😀 Denn ich hetzte nicht nur von einem russischen Familientreffen zum anderen – als Höhepunkt der letzten Woche bekam ich Besuch aus Österreich!! Aber mal langsam …

… begonnen hat der Marathon vorletzten Samstag. Um 5 Uhr morgens fuhr ich mit meiner Gastfamilie auf die Datscha. Datschas sind kleine, gemütliche Wochenendhäuser, die Schutz vor dem Rummel der Großstädte bieten. Die Datscha meiner Gastfamilie gehört den Großeltern. Auf die Datscha zu fahren bedeutet vor allem drei Dinge: Banja, Schaschlik und gaaanz viel Familie! (:

..mit Polina auf Entdeckungstour (:

..mit Polina auf Entdeckungstour (:

Gleich als wir ankamen wurden mir noch zig andere Familienmitglieder und Freunde vorgestellt. Danach wurde natürlich richtig Weiterlesen

Schulkarriere beendet …

Zitat

…zumindest in Russland! Denn vor einer Woche läuteten für meine MitschülerInnen und mich zum letzten Mal die Schulglocken.

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Meine Klasse – 11A

Wie euch schon bekannt ist (hab ich ziemlich sicher schon einmal erwähnt), besuche oder, besser gesagt, besuchte ich hier die 11. Klasse, die Abschlussklasse. Wie auch in Österreich wird zum Abschluss eine Art Ball veranstaltet, doch damit nicht genug. Die Russen lieben das Feiern, ein Fest reicht also nicht aus. Der eigentliche Abschluss des Schullebens findet schon vor den Prüfungen (im Prinzip wie die Matura bei uns) statt – das “letzte Klingeln”.

„Was bitte ist das letzte Klingeln?“

Bis vor ca. eineinhalb Monaten konnte ich mir darunter auch überhaupt nichts vorstellen. Wie das in Russland so ist, beginnt man immer ziemlich spät, sich auf irgendwelche Dinge vorzubereiten. Wer bitte würde in Österreich erst eineinhalb Monate vor so einem großen Fest anfangen, sich vorzubereiten? 😀

Wie auch immer, Mitte April fingen wir also an, uns Gedanken darüber zu machen, wie wir uns von den Lehrerinnen und Lehrern bzw. der ganzen Schule verabschieden würden. Sinn und Zweck des letzten Klingelns ist es, sich für die (mehr oder weniger :p) tolle Ausbildung in den letzten 11 Jahren zu bedanken. Also suchten wir fleißig umgetextete Lieder zusammen, oder passten sie selber dem Thema an – fast jeder Lehrerin und jedem Lehrer wurde ein eigenes Lied gesungen! Jetzt kann ich mich zumindest nicht mehr beschweren, dass ich keine russische Musik kenne … auch wenn ich immer den “falschen” Text singen werde. (; Ein bisschen stolz bin ich schon, dass ich bei allen Liedern mitsingen konnte, ohne sie groß auswendig zu lernen, das viele Proben hat natürlich sehr geholfen. Außerdem wurden zig Gedichte aufgesagt, abertausende von riesigen Blumensträußen und Gestecken verschenkt, den Taferlklasslern Glück gewünscht und – was meiner Meinung nach das Highlight war – 10 meiner KlassenkameradInnen und ich tanzten einen Mix aus Funky und Boogie! Ich hoffe sehr, dass ich euch bald ein Video zeigen kann. (:

Nach der zweistündigen Veranstaltung gingen wir natürlich noch nicht nach Hause! Zuerst wurden erneut die LehrerInnen beschenkt- ganz ehrlich, so sehr lieben kann ich die gar nicht, dass ich so viel Geld fuer sie ausgeben wollte … Dann fuhr ich mit meiner Klasse nach Moskau, wo wir als Abschlussausflug einen wunderschönen Park besuchten. Wieder zurück in Klimowsk feierten die “AbgängerInnen” der Stadt alle gemeinsam am Hauptplatz.

Im Zarizyno-Park

Im Zarizyno-Park

Während der ganzen Proben, die nicht gerade stressfrei verliefen, wurde mir klar, wie schwer sich die meisten von “ihrer” Schule trennen werden. Es ist bestimmt nicht leicht, elf Jahre mit ein und denselben Leuten zu verbringen und dann von heute auf morgen sein Leben zu verändern. Gerade deshalb fand ich das “letzte Klingeln” so wunderschön, es ist einfach ein passendes Fest, die Schule schenkt ihren Kindern ein letztes Mal richtig viel Aufmerksamkeit. Auch für mich war der Abschied traurig, es war auch mein letztes Klingeln an dieser Schule, in dieser Stadt, mit dieser Klasse. Am liebsten hätte ich mitgeweint. :p Mir hat der Tag wirklich extrem gut gefallen und ich bin froh, dass ich dabei sein durfte. Das “letzte Klingeln” ist etwas Besonderes … eigentlich sollten wir uns dies bei den Russen abschauen. (;

Zum Schluss noch die Lösung eines weiteren Rätsels: Nein, ich habe nicht aus Geldnot den Kleidervorrat meiner Oma geplündert! 😀 An unserer Schule ist es Tradition, dass die Elftklässler ihr Abschlussfest in der alten, sowjetischen Schuluniform feiern. Diese bestand für die Maedchen aus einem braunen Kleid, einer wunderschönen weißen Schürze, Bestickung an den Handgelenken und am Kragen und weißen Kniestrümpfen. Vor allem in der ersten Klasse macht man sich auch noch zwei Zöpfe und dekoriert diese mit überdimensionalen Haarbändern. 😀 Die Jungs trugen schon damals einfach einen Anzug und ein helles Hemd- soooo fad! (:

Schuluniform wie damals (:

Schuluniform wie damals (:

Was hältst du von diesem Fest? Würdest oder hättest du dich auch gerne so von der Schule verabschiedet? Was sagst du zur Schuluniform? Könntest du dir vorstellen, jeden Tag so aus dem Haus zu gehen?

Schreib mir doch ein Kommentar! Ich beantworte auch gerne weitere Fragen!

Bis ganz bald (ja, mir bleiben nur mehr knappe vier Wochen 🙁 ),

eure Anja

Sonnenbrand und Mückenstiche

Link

Einige haben sich bestimmt schon gewundert, warum ich mich so lange nicht melde. Nein, ich bin nicht untergetaucht und mit der russischen Mafia durchgebrannt! 10 Tage lang durfte ich mit anderen AFS-SchülerInnen durch Russland gondeln. Die Reise habe ich beim Wettbewerb “My Vision of Russia 2013” gewonnen. Jeder von uns präsentierte in Form von Bildern, Texten oder Videos sein Leben in Russland, seine Eindrücke vom Land und dessen Kultur. Die 15 glücklichen Gewinner durften gemeinsam in den Süden fahren- nach Volgograd und Astrachan.

Unsere Truppe vor der Mutter-Heimat-Statue         (Родина-мать) in Wolgograd

Unsere Truppe vor der Mutter-Heimat-Statue (Родина-мать) in Wolgograd

Los ging unser Trip am “Tag des Sieges” (9.Mai). Nach 21 Stunden Zugfahrt, mittlerweile hab ich mich übrigens an diese Monster-Trips gewöhnt, kamen wir am folgenden Tag in Wolgograd an und wurden gleich von unseren Gastfamilien empfangen. In den nächsten Tagen wurden uns die schönsten Seiten der Stadt an der Wolga gezeigt. Gefallen hat es mir dort wahnsinnig gut, ich kam mir vor wie in Italien: heiß, die Wolga (die so breit ist, dass sie ein Meer sein könnte) und die ganzen Italienerinnen in unserer Gruppe. 😀

Baden im See Baskuntschak

Baden im See Baskuntschak

Eine Exkursion führte uns überhaupt zum Salzsee Baskuntschak. Insgesamt 8 Stunden Busfahrt, nur um einen See zu sehen.. am Ende hat sich’s doch ausgezahlt. 😀 Zwar war ich noch nie am Toten Meer, aber genau so muss sich das Baden dort anfühlen. Du schmeißt dich einfach ins Wasser und tust genau nichts. Denn durch den hohen Salzgehalt des Wassers schwimmt man einfach an der Oberfläche. Das war so ein geniales Gefühl! (:

Nach einem wunderschönen Wochenende ging’s mit dem Nachtzug schon weiter nach Astrachan an der Wolga. Logischerweise haben wir diesmal im Zug fast nicht geschlafen, schließlich fuhren wir alle gemeinsam. Doch die Astrachaner hatten kein Erbarmen mit uns- kaum angekommen (6:00 morgens!) durften wir zwar kurz mit unseren Gastfamilien “nach Hause”, mehr als Waschen (war dringend nötig 😛 ) und Essen ging sich aber nicht aus. Schon am ersten Tag wurde uns während einer 3-stuendigen Bustour die ganze Stadt gezeigt. Anschließend wurden wir in einer der Schulen traditionell mit Musik, Tanz, Brot und Salz empfangen. Was mir besonders gut gefiel war, dass uns die SchülerInnen der Schule nach dem Mittagessen die vielen verschieden Kulturen und Völker, welche in Astrachan leben, vorstellten. In Russland ist Rassismus leider sehr stark verbreitet, vor allem in der Umgebung rund um Moskau bekomm ich viel mit. Aus diesem Grund fand ich es total schön, demonstriert zu bekommen, wie friedlich man miteinander leben kann.

Tanz der Kasachen (:

Tanz der Kasachen (:

In Astrachan wurden wir mit Informationen regelrecht erdrückt, jeden Tag besuchten wir 2-3 Museen. Außerdem stellten wir unsere eigenen Länder bei einem Jugendforum vor und hatten Tanzkurs, um beim Abschlussball des AFS-Lagers glänzen zu können. Auch Astrachan ist eine wunderschöne Stadt, es gibt so viele alte, aber hübsche Gebäude. Manchmal fühlte ich mich wie im Märchen. (: Die 10 Tage vergingen natürlich wie im Flug, am Samstag hieß es dann Abschied nehmen. Es fiel uns allen ziemlich schwer, viele Tränen sind geflossen.. Uns wurde einfach bewusst, dass es in 6 Wochen wirklich ernst wird und sich unsere Wege vielleicht für immer trennen werden.

Im Gesamten war dies die beste Reise während meines Aufenthalts hier. Ich wollte gar nicht mehr zurück. Am liebsten wäre ich am Bahnhof in Moskau einfach in einen anderen Zug gestiegen und wieder weggefahren, um noch mehr von der Schönheit Russlands zu sehen. Der bittere Beigeschmack: Als “Souvenir” durften wir alle mindestens 20 Mückenstiche und starke Sonnenbrände mit nach Hause nehmen- schließlich war keiner mehr die Sonne gewöhnt. Vor allem in Astrachan war’s richtig heiß, vermutlich bis zu 40 Grad. Laut den Leuten dort war das noch nichts, im Sommer gibt’s sogar mal 60! Kann man da überhaupt leben?? Vielleicht wäre das ja ein Grund, wieder zu kommen- um dies zu testen! 😀

Ganz liebe Grüße aus dem Sommer,

Anja

Hurra, die Schule brennt!!!

In der letzten Woche erlebte ich wieder einmal einige Überraschungen, Russland erstaunte mich weitere Male. 😛

Alles begann am Sonntagabend. Ein paar KlassenkollegInnen und ich probten in der Schule für unser „letztes Klingeln“ – Das ist ein Abschlussfest für alle Elftklässler, da sie ja mit der Schule fertig sind. Als wir gerade das Schulgebäude verlassen wollten, kam uns ganz verschreckt und aufgelöst die Hauswärterin entgegen.

„Im Keller ist etwas explodiert!“

 

Die Schule brennt!

Die Schule brennt!

Naja, die Dame ist doch schon etwas älter, daher nahmen wir sie auch nicht sonderlich ernst. Trotzdem machten sich die Jungs (ja, in Russland kommt die Gleichberechtigung noch weniger zum Vorschein als bei uns) auf den Weg nach unten, um nachzusehen. Natürlich waren auch wir Mädls neugierig – komisch roch’s da schon, nach Gas irgendwie.. und es qualmte ziemlich. Aufgrund dieser Erkenntnis beschlossen wir, vielleicht wirklich die Feuerwehr zu rufen. Aber wie das in Russland so ist, stresst man sich wegen ein bisserl Rauch nicht. Kaum waren wir wieder im Erdgeschoss, gab’s noch ein paar kleine E

xplosionen.  Eine meiner Mitschülerinnen rief dann ihren Nachbarn an, der Feuerwehrmann ist, er solle doch kurz vorbeischaun. JA!! Ihr könnt euch bestimmt vorstellen, mit was für einem Gesicht ich, aus dem modernen Westen, das Geschehen beobachtete. Explosion heißt Feuerwehr und zwar sofort! Da ruf ich nicht irgendwelche Bekannten an, oder sehe noch dreimal nach, ob’s da wirklich brennt! 😀 Im Endeffekt kam dann auch die Feuerwehr und der Brand im Keller wurde gelöscht. Der Traum einer jeden Schülerin und eines jeden Schülers wurde war, aber wir träumten nur kurz, denn am Montag mussten wir ganz normal in die Schule gehen.

Ein richtig russisches Feuerwehrauto! :D

Ein richtig russisches Feuerwehrauto! 😀

Doch das war noch nicht alles. In der darauf folgenden Woche gab’s dann „zufällig“ einen Probealarm. Klingt jetzt vielleicht nicht so aufregend und auch nicht besonders, schließlich wird auch in Österreich der Ernstfall geübt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Großteil von euch Probealarme für verlängerte Pause, aber ansonsten sinnlos hält. Tja, da habt ihr den „Probealarm“ in Russland noch nicht erlebt! 😀

Gleich bei meiner Ankunft in der Schule wurde mir schon mitgeteilt, dass in der nächsten Stunde ein Probealarm stattfindet. Eine super Übung, wenn alle schon Stunden vorher Bescheid wissen! Am Beginn meiner ersten Unterrichtsstunde klärte uns die Lehrerin ein weiteres Mal auf: „11A, Folgendes: Im Laufe der Stunde findet ein Probealarm statt. Diesmal rennen wir nicht, wir verlassen das Gebäude langsam, denn der Trakt, indem wir uns befinden, droht einzustürzen. (-Heißt das, dass sie im Brandfall rennen?!-) Wir wollen ja nicht, dass er noch schneller einstürzt!“ Ganz ehrlich, wenn das Gebäude wirklich jeden Moment einstürzen würde, würde ich um mein Leben rennen! Aber gut, wenn das ihre Logik ist… 😀

Nun begann also der „wirkliche“ Unterricht. Ein bisschen gespannt war ich schon, wann endlich der Alarm losgehen würde, obwohl eh alle Bescheid wussten. Aber der Alarm kam nicht! Also, er kam schon… aber in Form einer Lehrerin! Mitten in der Stunde ging die Tür auf, eine Lehrerin kam rein und meinte ganz ruhig:

„Evakuierung.“

Das war ja wohl das Beste! Nicht mal einen richtigen Alarm gab’s! 😀 Ich weiß ja nicht, ob das an mir liegt, aber dies war wohl wirklich der sinnloseste Probealarm meines Lebens. Nach zehn Minuten zusätzlicher Pause kehrten wir auch schon wieder in unsere Klassen zurück und die Stunde ging weiter.

Hast Du in deinem Gastland auch schon einmal einen Probealarm miterlebt? Was hältst Du von den Brandübungen in deinem Gast-/Heimatland? Der russische Probealarm ist doch wirklich eher sinnlos, oder?

Schreib mir doch ein Kommentar!

Liebe Grüße, Anja

…wie der Deckel auf den Topf!!

Nachträglich zu den Osterfeiertagen daheim möcht ich euch ein bisschen was über die russischen Feiertage erzaehlen – denn die gibt’s in Hülle und Fülle! Sie gehören zur russischen Kultur wie der Deckel auf den Topf. Die Russen nutzen einfach jede Gelegenheit, die sich bietet, zum Feiern und gegenseitigen Beschenken.

Herzen ueber Herzen am 14.02.


Herzen ueber Herzen am 14.02.

Der Valentinstag am 14.02. ist ja auch in Österreich bekannt, doch wird ihm dort eigentlich nur von Liebespärchen Beachtung geschenkt. Nachdem der Tag seinen Ursprung in Amerika hat und die Amerikaner nicht gerade die besten Freunde der Russen sind, hab ich mir den Tag wie jeden anderen vorgestellt – ganz normal. Tja, da hab ich mich ziemlich getäuscht! (; Kaum das Schulgebäude betreten, wurde ich schon mit Karten, Schokolade und anderen Geschenken überhäuft. Den Leuten war es ziemlich egal, ob ich sie kannte oder nicht, Hauptsache sie konnten mir eine Freude bereiten. Am Valentinstag wird in Russland jeder beschenkt, den man nur ein bisschen gern hat – Freunde, Verwandte, vielleicht sogar der ein oder andere Lehrer bzw. Lehrerin. Besonders süß fand ich an diesem Tag meine Russischstunde in der Volksschule. In den Pausen spielte die Lehrerin mit den Kindern Spiele und wer nicht gerade mit Spielen beschäftigt war, verteilte heimlich Karten und andere kleine Liebesbeweise. ((:

Mein erster richtiger Feiertag hier war der 23.02. – der Tag des Verteidigers des Vaterlandes. An diesem Tag blieben die Schulen geschlossen, es arbeitete niemand (ja, das ist hier eine Seltenheit, denn Geschäfte haben sieben Tage die Woche, teilweise rund um die Uhr geöffnet!). Dieser Feiertag wurde von Lenin als Tag der Roten Armee eingeführt, wird aber heute zu Ehren der Männer gefeiert, die während der ganzen Kriege stets ihrem Heimatland treu blieben und es verteidigten. Daher wurden natürlich alle kleinen und großen Maenner von uns Frauen beschenkt.

..ein Teil meiner Geschenke zum Frauentag (;


..ein Teil meiner Geschenke zum Frauentag (;

Zwei Wochen später, am 08.03. – dem Internationalen Frauentag, revanchierten sich die Männer und beschenkten uns. Zwar wusste ich schon vorher, dass dieser Tag den Frauen gewidmet ist, doch in Österreich feiert ihn fast niemand. Vermutlich kennt der Großteil ihn gar nicht. Eine besondere Überraschung erlebte ich einen Tag zuvor, denn am 08.03. hatten wir schulfrei. Meine Mitschüler organisierten für uns Mädchen eine „Tee-Stunde“, mit Torte, Früchten und anderen Leckereien. Darüber hab ich mich wirklich gefreut, weil es einfach ein Zeichen von Freundschaft und gegenseitiger Achtung war. Außerdem schenkten mir meine Gasteltern eigene, ukrainische Hausschuhe, meine AFS-Freiwillige gab mir meine erste Matrjoshka und sonst wurde an Süßigkeiten, Karten und anderen Kleinigkeiten nicht gespart.

Der bisherige Höhepunkt in puncto Feiertag war definitiv die „Masleniza“. Sie wird eine Woche lang am Ende des Winters gefeiert, für mich ein bisschen der Fasching-Ersatz. Die ganze Woche werden Blini (= Palatschinken) gebacken und gegessen, denn nach dieser Woche beginnt die Fastenzeit. So richtig gefeiert wird eigentlich nur der Sonntag, da finden in jeder noch so kleinen Stadt irgendwelche Feste statt. Es werden Spiele gespielt, Tänze und sogar Paraden aufegeführt, natuerlich Blini gegessen und am Ende wird die „Masleniza-Puppe“  verbrannt und somit der Winter feierlich verabschiedet. Ich habe diesen Tag in Moskau am Gelände des Izmailovsky Kreml verbracht, wo ein riesiges Fest stattfand, habe den Tag also „richtig“ erlebt. (;

Einige von euch vermissen jetzt wahrscheinlich einen Bericht über Ostern. Meine lieben Freunde, Ostern wird hier heuer erst am 5. Mai gefeiert! In Russland sind die meisten Leute orthodox, daher gibt’s für mich in diesem Jahr erstmals orthodoxe Ostern. Zwar war ich letztes Wochenende gedanklich zu Hause, denn unser Kärntner Osterfest ist sehr besonders, aber ich freue mich wahnsinnig darauf, Ostern einmal anders zu erleben!!

Was denkt ihr über die vielen Feiertage, kanntet ihr die schon? Sollten wir in Österreich den Internationalen Frauentag nicht auch mehr feiern und im Gegenzug einen Männertag einführen? Ist doch ein schöner Brauch, sich gegenseitig zu beschenken, oder?

Ich sende euch endlich frühlingshafte Gruesse,

eure Anja

Zu Besuch in Tatarstan

The colourful world of AFS (:

The colourful world of AFS (:

„Was bitte ist Tatarstan?!“- Diese Frage werden sich jetzt sicherlich einige von euch stellen. Muss euch nicht peinlich sein, ich wusste es bis zum letzten Wochenende auch nicht. 😀 Dank AFS hab ich wieder einmal einiges dazugelernt, denn letzten Donnerstag reiste ich gemeinsam mit einer Gruppe anderer AFSer/innen nach Kazan, der Hauptstadt Tatarstans. Bevor ich das Rätsel um diesen geheimnisvollen Ort auflöse, erzähl ich euch noch etwas über den Weg dorthin- ja, auch Zugfahren ist in Russland spannend!

In Russland gibt es einen Haufen an Möglichkeiten, von A nach B zu kommen. Autos, Taxis, Busse, Trolleybusse (O-Busse), Marschrutkas (im Prinzip Sammeltaxis), Elektrichkas (Kurzstrecken-, aber auf keinen Fall Schnellzüge!) und die eigentlichen Züge. Diese sind einfach etwas Besonderes, da sie wirklich nur für längere Strecken dienen. Wir zum Beispiel fuhren 12 Stunden, das war meine erste richtig lange Zugfahrt. (: Aus diesem Grund sind alle Züge mit Betten ausgestattet, es gibt also keine Schlafwaggons wie in Österreich. Auch hier gibt es mehrere Klassen, wir haben (leider) die schlechteste/billigste gewählt. Wenn ich so im Nachhinein darüber nachdenke, war’s außer ekelhaft nur ekelhaft. Während der Fahrt war ich Gott sei Dank zu beschäftigt, um mir darüber Gedanken zu machen. Denn mit AFSer/innen ist einfach immer was los!

Meine Asiatin im russischen Zug (:

Meine Asiatin im russischen Zug (:

Zurück zu den Zügen: Unser Waggon bestand zwar aus mehreren Abteilen mit jeweils 6 Betten, aber es gab keine Türen. Dies machte die ganze Sache sehr heimelig. Sobald der Zug losfährt zieht automatisch jede/r sein Pyjama an- einfach wie zu Hause. Toilette gibt es für den ganzen Waggon nur eine, diese wird auch als Badezimmer genutzt. Ich denk ihr könnt euch vorstellen, wie sie nach 12 Stunden aussieht. Was sehr cool ist, Teewasser gibt es umsonst in Hülle und Fülle. Das heiße Wasser wird vor allem auch zum Zubereiten von Fertigprodukten benutzt. In Russland kann dir nämlich schnell passieren, dass du mal 2-3 Tage oder auch länger im Zug sitzt.

Auf in die Moschee!!

Auf in die Moschee!!

Nach einer langen Nacht- wenn man mit so einer tollen Truppe unterwegs ist, kann man einfach nicht schlafen – kamen wir dann am Freitagmorgen in Kazan, der Hauptstadt Tatarstans, an. Tatarstan ist eine autonome Republik im östlichen Teil des europäischen Russlands und gilt als sehr eigenständig. Die Hauptstadt Kazan liegt an der Wolga, die momentan zugefroren ist. Man kann sogar mit dem Auto den Fluss überqueren! Gegründet wurde die Stadt vor über 1000 Jahren und sie gilt als das Zentrum des russischen Islam. Dies merkt man sofort, denn es gibt in der Stadt unzählige, wunderschöne Museen. Gemeinsam mit den anderen Austauschschülern besuchte ich zum ersten Mal eine solche Kirche – wahnsinnig interessant!

Eine der unzaehligen Kirchen (:

Eine der unzähligen Kirchen (:

Außerdem sahen wir uns auch einige wunderschöne orthodoxe Kirchen an. Die ganzen umwerfenden Gebäude beeindruckten mich sehr. Immerhin wurden sie großteils mit bloßen Händen gebaut! Kazan ist eine wunderschöne Stadt. Zuerst dachte ich aufgrund der vielen alten, aber wirklich schönen Häuser, dass Kazan eher klein ist. Da hab ich mich ziemlich getäuscht, denn die Stadt hat ca. 1,2 Millionen Einwohner und sogar eine U-Bahn-Linie – ja, nur EINE U-Bahn-Linie 😀

An diesem Wochenende durfte ich auch erstmals den „richtigen“ russischen Winter erleben- es war verdammt kalt dort und das mein ich wortwörtlich. Zwar hab ich alles angezogen, was ich mit hatte, aber eine leichte Erkältung konnte ich leider trotzdem nicht vermeiden. Naja, was soll’s, Winter in Russland ohne klirrende Kälte wäre sowieso ein bisschen enttäuschend gewesen. (;

Hat dir mein Bericht gefallen? Willst du mal selbst russische Züge ausprobieren? Hast du schon mal vom russischen Islam gehört? Schreib mir doch bitte ein Kommentar oder trage dich in den Newsletter ein, werde Fan auf Facebook, folge Twitter oder Google+.

Drill, Strenge und Disziplin???

Nachdem ich jetzt doch schon ein paar Wochen hier bin, ist es, glaube ich, an der Zeit, ein bisschen über die „russische Schule“ zu berichten. Wenn man so an Russland und sein Schulsystem denkt, verbindet man es sofort mit enormer Strenge. Oder wie stellt ihr euch den Alltag hier sonst vor? (: Wie auch immer, dies ist im Grunde nur eines der vielen Vorurteile. Aber mal von Anfang an.

In Russland gibt es elf Schulstufen, die sich im Normalfall alle in einem Gebäude befinden. Nach der 9. (auch hier besteht die Möglichkeit, früher von der Schule abzugehen, dann z.B. auf ein College) und der 11. Klasse gibt es jeweils Prüfungen. Die Schülerinnen und Schüler sollten sich eigentlich an einen Dresscode halten- keine Jeans, hauptsächlich Anzüge, Hemden, Röcke und Blusen. Doch an meiner und auch vielen anderen Schulen ist das nicht so genau, im Prinzip zieht dann doch jede/r an was er/sie will. Auch neu, aber interessant für mich ist der дневник – das Tagebuch. Alle haben so ein Tagebuch, hier gibts wirklich keine Ausnahmen. Da werden die ganzen Fächer, also wie beim Stundenplan, für jeden einzelnen Tag eingetragen, daneben ist noch Platz für die Hausaufgaben (die hier auch wirklich alle notieren, was nicht heißt, dass sie sie dann wirklich machen 😀 ) und dann noch kleine Kästchen, in welche die LehrerInnen die Noten eintragen. Nein, diese Fächer bleiben nicht leer! Im Gegenteil, hier werden so viele kleine Tests geschrieben und dauernd muss irgendwer an die Tafel, auch jede Hausübung wird benotet. Das Tagebuch muss am Ende der Woche immer von den Eltern unterschrieben werden. Ist mir unerklärlich, warum das so gut funktioniert. In Österreich schaffen es manche nicht einmal, eine einzige Information unterschreiben zu lassen.

Ich bin an meiner Schule generell eine ziemliche Ausnahme- hab einen individuellen Stundenplan, bin mit vielen Lehrerinnen per Du, darf auch ihre WCs benützen. Trotzdem bin ich fix in eine Klasse eingeteilt. In „meiner“ 11A (ja, eine Klasse höher als zu Hause.. nicht immer einfach 😛 ) verbring ich jeden Tag 1-3 Unterrichtsstunden, dadurch bekomm ich einiges von ihren Leistungen mit. In Russland gibt es wahnsinnig viele verschiedene Fächer. Dies hat zur Folge, dass es von jedem Fach nur wenige Stunden gibt. Für Mathematik ist das nicht so schlimm, weil Mathe hier in Algebra, Geometrie und Geometrisch Zeichen geteilt ist. In den Naturwissenschaftlichen Fächern sind sie überhaupt sehr gut: Es wird viel Physik, Chemie und Biologie unterrichtet.

Zu Besuch bei der Russischen Mafia :P

Zu Besuch bei der Russischen Mafia 😛

Leider bleibt dann nicht mehr viel Zeit für Fremdsprachen. Das ist wirklich traurig, denn gerade die sind total wichtig. Zwar ist Russland ein großes Land, aber viele junge Leute wollen weg von hier und ohne Sprachen werden sie einfach nicht weit kommen. Ein Beispiel dafür ist Englisch: Meine Klasse hat seit 11 Jahren Englisch und der Großteil spricht die Sprache so gut wie gar nicht. Sollte jemand von euch in Österreich glauben, er/sie wäre schlecht- in Russland wärst du Klassenbeste/r!! Ich glaube nicht, dass das die Schuld der Lehrerin ist (bis auf die EnglischlehrerInnen sind die SprachlehrerInnen aber nicht so gut.. ), sie hat einfach zu wenig Zeit und zu viele interessieren sich nicht für ihr Gelaber. Wer wirklich Englisch lernen will, besorgt sich halt Nachhilfe. Das ist hier ganz normal, fast jeder 2. geht zur Nachhilfe und das in den verschiedensten Fächern. Nicht, weil der Stoff so schwer ist, einfach weil sie noch besser sein wollen und der Meinung sind, dass sie während des Unterrichts nicht genug lernen, ist bei den Sprachen auch der Fall! Zu den für mich neuen Fächern zählen Russische Literatur, die Geschichte Russlands, Geometrie, dann eine Art Politik- und Sozialkunde und ein Fach, dessen Inhalt ich nicht genau beschreiben kann – es geht einfach dauernd um Militär und Krieg, in diesem Fach lernen auch alle, wirklich alle, wie man eine Waffe auseinander nimmt, zusammenbaut und schießt. Ja, das ist der Wahnsinn!!

„In Österreich darf man an sowas nicht einmal denken!“

Wo liegt Oesterreich??- Geografie-Craschkurs fuer "meine" Kleinen

Wo liegt Österreich??- Geografie-Crashkurs fuer „meine“ Kleinen

Nun zum eigentlichen Punkt, die Disziplin. Zwar gibt es einen Haufen an Regeln, aber wie das in Russland so ist, sind die da, um gebrochen zu werden. In der Volksschule (hab dort Russischunterricht (: ) ist wirklich alles extrem streng – das hat mich richtig schockiert. So viel Drill, dauernd Noten für jede Kleinigkeit, so viele Prüfungen, bei jedem noch so kurzen gesprochenen Satz müssen die Kleinen aufstehen. Wenn ich da an meinen kleinen Bruder zu Hause denke, der im Herbst in die Schule kommt und sicher viel Spaß dort haben wird, tun mir die Kinder hier einfach nur leid.

Doch sobald sie die ersten 4 Jahre überstanden haben, geht die Party los! Teilweise geht’s während der Stunden schlimmer zu als bei uns und das muss man erstmal hinkriegen 😀 Hier telefonieren sogar die LehrerInnen im Unterricht! Also eindeutig keine Spur von Disziplin … 😀

Könntest du dir vorstellen, hier zur Schule zu gehen? Was hältst du von den vielen Fächern? Findest du irgendeines besonders interessant?

Bis bald, eure Anja (oder wie auch immer ihr mich nennen wollt, Möglichkeiten gibts genug 😛 )

Kennt ihr den GLOBUS?

der "GLOBUS"

der „GLOBUS“

Vielleicht ist es ein bisschen schwer zu verstehen, aber in Russland finde ich einfach alles interessant. Jeder Tag bringt neue Überraschungen mit sich und ist einfach einzigartig. Eine der vielen Sensationen ist für mich – ja, lacht ruhig – ein Lebensmittelgeschäft! 😀 Meine Begeisterung für den Hypermarkt „Globus“ entstand schon beim ersten Besuch.

Es war einfach Liebe auf den ersten Blick!

Wenn man wie ich aus einer relativ kleinen Stadt kommt, wo’s um die 5 Geschäfte gibt, dann verschlägt es einem einfach die Sprache, sobald man den „Globus“ erblickt. Von außen erinnert mich das Geschäft ein bisschen an unsere österreichischen Lebensmittelgroßhändler, doch da kaufen hauptsächlich Tourismusunternehmen ein. Niemand würde in Österreich sage und schreibe 73 Kassen in einem „normalen“ Geschäft aufstellen lassen!! Ja, 73 Kassen, dahinter ewig lange Menschenschlangen: junge  & alte Leute, Großfamilien & Einzelpersonen. Die Fläche kann ich nicht mal annähernd abschätzen, aber das interessiert mich auch nicht: viel spannender ist der Inhalt! Stellt euch mal ein Lebensmittelgeschäft vor, zB. Billa oder Spar. Da stehen ganz schön viele Milchpackerl, oder? Und genauso viele Packerl wie dort stehen, gibt es im „Globus“ an verschiedenen Milchsorten!!!

...für Studentenfutter-Lover (:

…für Studentenfutter-Lover (:

Was ich auch so richtig cool finde ist die Art, wie die ihre Produkte verkaufen. Zu Hause ist alles schon fertig abgepackt, aber hier machst du dir die Pakete selber. Egal ob Trockenfrüchte oder Nüsse, Tiefkühlfrüchte oder Tiefkühlfisch ( bei Bedarf gibt es den Fisch auch lebend!!)… und was Schokofreunde sicher freut: auch die ganzen конфеты (Pralinen und Zuckerln) gibt’s in überdimensionalen Mengen zur Auswahl.

Bevor ich nach Russland kam, konnte ich mir nicht mal im Traum vorstellen, was für ein Abenteuer es sein kann, Lebensmittel einzukaufen. Hier ist es ein richtiger Ausflug, mit meinen Gasteltern laufen wir locker 1 1/2 Stunden umher, bis wir alles Nötige haben, langweilig wird mir dabei nie. Im Gegenteil, ich kann es immer kaum erwarten, mit ihnen dort hin zu fahren. (: Das heißt aber nicht, das ich nur einmal die Woche oder so im „Globus“ bin. Nein, der „Globus“ ist praktisch das Zentrum von Klimovsk und ein sehr beliebter Jugendtreff, einfach zum Kaffee trinken, Eis essen, quatschen oder was auch immer. 😀

конфеты

конфеты

Hat dir mein Bericht gefallen? Gibts sowas ähnliches wie den Globus auch in anderen Ländern? Schreib mir doch ein Kommentar und trage dich in den Newsletter ein, werde Fan auf Facebook, folge Twitter oder Google+. Das war’s auch schon wieder, alles Wichtige ist gesagt, bis bald! (: